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Pluspunkt milde Witterung, aber Unwägbarkeiten im Untergrund

Entwässerungsprojekte des Abwasserverbandes im Egelsbacher Westen und auf der Kirchstraße

Der milde Winter unterstützt die Entwässerungsprojekte des Abwasserverbandes im westlichen Egelsbacher Gemarkungsgebiet. Nach Angaben von Geschäftsführer Werner Hötzel „sind wir bei der Renaturierung des Tränkbaches weit vor dem Zeitplan“. Auch der unterirdische Rohrvortrieb im Neulandweg werde durch das überwiegend frostfreie Wetter begünstigt. Allerdings hätten hier die Bodenverhältnisse das Vorankommen erschwert. Die Arbeiten sind Voraussetzung für die ordnungsgemäße Entwässerung des Neubaugebietes im Brühl. Von dort wird das Abwasser über den vorhandenen Nordsammler durch die Wolfsgartenstraße und die Trift in Richtung der Verbandskläranlage abgeleitet. Berücksichtigen muss der Verband dabei die Vorgabe des Regierungspräsidiums, dass die bisherigen Überflutungsflächen im Tränkbachbereich bei einem Starkregen trotz der zusätzlichen Mengen aus dem Brühl nicht mehr als in der Vergangenheit überschwemmt werden dürfen. Ohne zusätzliche Entlastungskanäle, die an das so genannte Trennbauwerk auf der Trift angeschlossen sind und zu neuen Einleitestellen führen, wäre das aber nicht machbar. Der Überlaufschacht regelt, dass Wasser in den Tränkbach fließt, wenn der Nordsammler die Regenmassen nicht komplett aufnehmen kann. Beim Bau der Entlastungskanäle wendet der Verband auf einem Abschnitt ein besonderes Verfahren an. Im Neulandweg und dann weiter bis zum Tränkbach-Auslass an der Erzhäuser Allee werden die Kanalrohre auf einer Länge von 500 Metern von Schächten aus unterirdisch vorangetrieben. Eine Methode, die vergleichbar ist mit dem Bau eines Tunnels. Ausführendes Unternehmen ist eine österreichische Spezialfirma, das in der kommenden Woche Vollzug melden will.

Derzeit nähert sich die Baustelle auf der Erzhäuser Allee dem Zielpunkt. Wechselnde Bodenschichten, Lehm und Wurzelwerk erschwerten das Vorankommen. „Ansonsten wären wir noch drei Wochen früher fertig gewesen“, sagte Hötzel. Vom Trennbauwerk auf der Trift bis zum Beginn des unterirdischen Rohrvortriebs wird der Kanal in offener Bauweise verlegt. Auch das ist bald erledigt und deswegen dürfte der Neulandweg nach Hötzels Angaben bis Ende Februar wieder komplett befahrbar sein. Allein mit Entlastungskanälen – ein weiterer mündet im Bereich Bruch in den Tränkbach - ist es aber nicht getan. Ein neues Landesgesetz verlangt für Einleitegenehmigungen, dass der natürliche Zustand und die Selbstreinigungskraft der jeweiligen Gewässer deutlich geseigert werden. Der Abwasserverband muss deshalb den Tränkbach in Teilbereichen grundlegend umgestalten. Renaturiert wird auf einer Strecke von etwa zwei Kilometern vom Anglerheim bis zur Einmündung in den Hegbach. Viele Kurven, Staustufen, Inseln, Totgehölze und zusätzliche Bepflanzungen – aus dem biederen Tränkbach wird ein mustergültiges Öko-Gewässer. Zu sehen ist das inzwischen beispielsweise an der Erzhäuser Allee und westlich davon. Weil das Wetter gut mitgespielt hat, dürfte die Renaturierung bereits bis Ostern abgeschlossen sein. Laut Hötzel deutlich früher als ursprünglich geplant. Zum Gesamtkonzept zählt außerdem, dass vorhandene Kanäle in der Nonnenwiese stillgelegt und andere – in den Wegen südlich der Trift – an den Nordsammler angeschlossen werden. Auch die Hausanschlüsse werden erneuert. Im Höhen- und Brückenweg beginnt der Verband in Kürze mit den vorbereitenden Arbeiten und schottert auf dem Grünstreifen an der Trift provisorische Parkplätze für die Anwohner, die wegen der Baustelle ansonsten keine Abstellmöglichkeiten für ihre Fahrzeuge hätten. Der Schotter weicht später aber wieder einer Begrünung. Parallel werden Versorgungsleitungen verlegt, die sich im Baufenster befinden. Um die Stichstraßen mit dem Nordsammler zu verbinden, muss im Bereich der Trift jeweils ein kleines Stück Kanal zusätzlich gebaut und außerdem die Fließrichtung umgekehrt werden. Im Nonnenwiesen-, Bach- und Birkenseeweg ist dies bereits geschehen.

Auf Wunsch der Gemeinde kümmert sich der Abwasserverband auch um die Herrichtung der künftigen Spielstraßen in dem Wohngebiet. Auf dem Nonnenwiesenweg wurde damit im Dezember angefangen. Um dem Wunsch nach mehr Stellplätzen bei den beengten Platzverhältnissen nachzukommen, wurde aus technischen und wirtschaftlichen Gründen von der ursprünglich geplanten Verlegeart des Pflasters abgewichen. Da die Gemeinde dieser Änderung aber nicht zustimmt, werden nun sämtliche Flächen im so genannten Ellenbogen- und nicht im Linienverbund gestaltet. Voraussichtliche Dauer: etwa drei Monate. In den Startlöchern steht der Abwasserverband mit der Fortsetzung der Kanalsanierung in der Kirchstraße zwischen Rhein- und Ernst-Ludwig-Straße. Er muss aber noch bis Aschermittwoch warten, um mit dem zweiten Teilstück beginnen zu können, da der Karnevalsumzug über die Kreuzung Rheinstraße/Kirchstraße führt. Zu Verzögerungen kam es, weil sich herausstellte, dass die Versorgungsleitungen – von der Telefon- bis zur Stromleitung - nicht tief genug liegen, um die vorgesehene Straßengestaltung zu ermöglichen. Die Planungen der Gemeinde sehen für die Kirchstraße künftig ein einheitliches Niveau ohne Bürgersteige vor. Dies bedarf eines stabilen Straßenaufbaus über die gesamte Breite, weil auf der Kirchstraße auch Busse und Lkws fahren. Um die erforderliche Stabilität zu erreichen, müssen die Kabelpakete jetzt tiefer unter die Erde.

Diese Arbeiten sollen nun in einem Zug von den Versorgungsunternehmen auf dem gesamten Streckenabschnitt zwischen Goethe- und Ernst-Ludwig-Straße ausgeführt werden. Zwischen Goethe- und Rheinstraße hat der Abwasserverband schon im November neue Rohre verlegt. Dabei stießen die Ingenieure auf das Problem mit den Versorgungsleitungen. Das Straßenstück erhielt deshalb nur einen provisorischen Schotterbelag und ist derzeit für den Verkehr gesperrt. Zu Umleitungen wird es auch bei der Kanalsanierung im nördlichen Bereich der Kirchstraße kommen. Die Rheinstraße bleibt allerdings durchgängig befahrbar. Einen genauen Zeitpunkt bis zur Fertigstellung konnte Hötzel nicht nennen – später wie Sommer werde es aber nicht werden.

 

 

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