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Wegweisende Forschung zum Trinkwasserschutz

2016 08 05 wegweisende forschung zum trinkwasserschutz

- Pilotprojekt auf Kläranlage zur Entfernung von Mikroschadstoffen -

 

Auf einer etwa 16 mal 14 Meter umfassenden Betonbodenplatte passiert beim Abwasserverband Langen/Egelsbach/Erzhausen in wenigen Wochen Großes. Dann geht auf der Kläranlage in Langen ein Forschungsprojekt an den Start, das in dieser Form deutschlandweit einmalig ist und einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Trinkwasserqualität leisten soll. Ziel ist es, für das menschliche Auge nicht sichtbare Spurenstoffe, die sich negativ auf die Umwelt auswirken, aus dem Abwasser zu entfernen. Die gelangen dorthin über die Toilette. Es sind Medikamentenrückstände, antibiotikaresistente Keime, Desinfektionsmittel und zunehmend winzige Kunststoffteile, sogenanntes Mikroplastik aus Kosmetika und Zahnpasta.

 

Dieser Cocktail aus winzig kleinen Rückständen von Körperpflege-, Reinigungs- und Arzneimitteln steht im Verdacht, bei Fischen und Fröschen biologische Veränderungen hervorzurufen. Wissenschaftler schließen deshalb auch Risiken für den Menschen nicht aus. Doch bisher fehlt es in den Kläranlagen an geeigneten Reinigungsstufen, um die Mikroschadstoffe zu eliminieren und dadurch zu verhindern, dass sie in Gewässer gelangen oder ins Grundwasser sickern, aus dem dann Trinkwasser gewonnen wird. Das Forschungsvorhaben in Langen soll den Weg dazu ebnen, diesen Mangel zu beseitigen. Dabei geht es auch darum, ein wirtschaftlich tragbares Verfahren in die Praxis umzusetzen und absehbare Auflagen innerhalb der Europäischen Union erfüllen zu können.

 

Das Pilotprojekt wird vom Land Hessen über das Regierungspräsidium Darmstadt gefördert. Bereits im vergangenen Jahr stellte das RP 877.500 Euro dafür zur Verfügung. Weitere 250.000 Euro steuerte der Verband selber bei. „Dieses Geld hätten wir sowieso investieren müssen, um uns für die künftigen Anforderungen der Abwasserreinigung zu rüsten“, erklärt Geschäftsführerin Eva-Maria Frei. Schon seit fünf Jahren untersucht der Verband in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Darmstadt und mit finanzieller Hilfe durch das Land, wie das Abwasser von Spurenstoffen gereinigt werden kann – bisher allerdings lediglich unter Laborbedingungen. Darauf aufbauend soll nun im größeren Maßstab die Praxis erforscht werden.

 

Hierzu errichtet das Darmstädter Ingenieurbüro Unger im Auftrag des Verbandes am Kläranlagenablauf eine Versuchshalle mit der notwendigen Maschinen- und Steuerungstechnik. Beim symbolischen ersten Spatenstich unterstrichen Eva-Maria Frei und der Langener Bürgermeister und Verbandsvorsteher Frieder Gebhardt die Sinnhaftigkeit und Bedeutung des Vorhabens, das in Fachkreisen weithin Beachtung findet.

 

Von Ende September an sollen etwa fünf Prozent des Abwassers durch die Versuchsanlage laufen. Wiederum mit Beteiligung der TU Darmstadt werden dabei die Vor- und Nachteile von zwei Verfahren erforscht: der Tuch- und der Membranfiltration. Beide ermöglichen, dass sich die Spurenstoffe an Aktivkohle anlagern und nicht mehr im Abwasser verbleiben. Doch Kohle ist nicht gleich Kohle. Die sogenannte Kornkohle, die beim Abwasserverband zum Einsatz kommt, ist wiederverwertbar und spart somit Kosten. Im Gegensatz dazu laufen anderswo Verfahren mit Pulveraktivkohle, die anschließend für teures Geld entsorgt werden muss.

 

Für Edeltraud Lemke vom Regierungspräsidium Darmstadt ist das Langener Projekt richtungsweisend für die Zukunft der Abwasserreinigung und von besonderem Belang für das hessische Ried als Trinkwasserreservoir für das Rhein-Main-Gebiet. Sie geht davon aus, dass der Verband nach Abschluss des etwa 18-monatigen Testlaufs mit Fördergeldern zum Bau einer dann vierten Reinigungsstufe zur Entfernung der Mikroverunreinigungen rechnen kann.

Kanalsanierung wie beim Zahnarzt

2016 06 30 kanalsanierung wie beim zahnarzt

- Abwasserverband spart mit Inliner-Verfahren Zeit und Kosten -

Mit dem sogenannten Inliner-Verfahren können schadhafte Kanäle für deutlich weniger Geld und wesentlich schneller saniert werden als in offener Bauweise, wenn Straßen gesperrt und aufgegraben werden müssen. Der Abwasserverband Langen/Egelsbach/Erzhausen hat mit der wirtschaftlich günstigeren Alternative jetzt einen Kanal auf Vordermann gebracht, der parallel an der Zufahrt zur Verbandskläranlage verläuft und durch Betonkorrosion und Wurzeleinwuchs aus dem angrenzenden Wald nicht mehr dicht war.

 

In die Rohre mit einem Durchmesser von 90 Zentimetern und einer Länge von 350 Metern wurden von einer auf das Verfahren spezialisierten Firma weiche, glasfaserverstärkte und mit Klebstoff getränkte Schläuche eingezogen, aufgepumpt und mit UV-Licht ausgehärtet. Nach dem gleichen Prinzip verwendet der Zahnarzt Kunststofffüllungen. Wenn der Schlauch fest an den Kanalinnenwänden anliegt, werden die Enden geöffnet und eventuelle Zuläufe und Hausanschlüsse per Robotertechnik mit einer Fräse geöffnet.

 

In diesem Verfahren saniert der Abwasserverband derzeit auch rund 600 Meter Kanal in Egelsbach (Goethestraße, Geschwindstraße und Brandenburger Straße) und eine knapp doppelt so lange Strecke in Erzhausen (Arheilger Straße, Bahnstraße, Elbestraße, Friedrich-Ebert-Straße und Rheinstraße).

Beim Girls‘ Day die Kläranlage erkundet

2016 04 28 beim girls day die klaeranlage erkundet

Die Abwasserreinigung ist ein spannendes Thema, aber auf einer Kläranlage arbeiten? Das konnten sich die fünf Mädels, die beim Girls‘ Day einen Vormittag beim Abwasserverband Langen/Egelsbach/Erzhausen verbrachten, zunächst nicht vorstellen. Doch während der Führung mit Abwassermeister Andreas Haufschild sprang der Funke bei der ein oder anderen über. Und hinterher war der Gedanke gar nicht mehr so abwegig, später einmal eine Laufbahn als Fachkraft für Abwassertechnik einzuschlagen. Bisher ist das eine Männerdomäne. Der Abwasserverband nutzt den Girls‘ Day deshalb seit Jahren, um auch junge Frauen auf die Berufsmöglichkeiten in einer Kläranlage aufmerksam zu machen. Und die sind vor allem auch sehr abwechslungsreich und kommen besonders für jene infrage, die gute Noten in Mathematik, Chemie
und Biologie schreiben. Freude an Technik und handwerkliches Geschick sollten ebenfalls vorhanden sein. Die elf- bis 13-Jährigen staunen darüber, wie modern und weitläufig die Anlage des Abwasserverbandes ist und wie viele Stationen das Wasser aus dem Kanal durchläuft, bis es blitzsauber seinen weiteren Weg in Richtung Rhein nimmt. 

 

Facettenreicher Beruf mit Perspektiven

2016 03 15 facettenreicher beruf mit perspektiven

- Ausbildung beim Abwasserverband/Weltwassertag -

Auch dieses Jahr ist der 22. März wieder der Internationale Weltwassertag. Er steht immer unter einem anderen Motto, 2016 lautet es „Wasser und Arbeitsplätze“. Damit soll die Bedeutung der Wasserwirtschaft für die Arbeitsmärkte hervorgehoben werden. Der Abwasserverband Langen/Egelsbach/Erzhausen nimmt das Motto zum Anlass, um auf eine freie Ausbildungsstelle hinzuweisen. Der Verband sucht zum 1. August oder 1. September eine junge Frau oder einen jungen Mann zur Ausbildung als Fachkraft für Abwassertechnik.
„Diese Facharbeiterausbildung im technischen Umweltschutz gewährleistet den Einstieg in einen Beruf mit vielen Perspektiven“, sagt Geschäftsführerin Eva-Maria Frei. „Wir bieten die dreijährige Ausbildung erstmals an, und zwar mit der Perspektive der anschließenden Übernahme und einem sicheren Arbeitsplatz innerhalb des öffentlichen Dienstes.“ Mit 850 Euro im ersten Ausbildungsjahr gebe es zudem ordentliche Verdienstmöglichkeiten.
Bewerben können sich junge Leute, die mindestens einen Hauptschulabschluss in der Tasche haben: schriftlich mit Bewerbungsschreiben, tabellarischem Lebenslauf und Kopien der letzten beiden Schulzeugnisse bis zum 1. April an Abwasserverband Langen/Egelsbach/Erzhausen, Kennwort: Bewerbung, Prinzessin-Margaret-Allee 1, 63225 Langen oder per E-Mail als PDF-Anhang an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!. Erwartet werden gute Noten in Mathematik, Chemie und Biologie sowie Freude an Technik, handwerkliches Geschick und Leistungsbereitschaft. Fachkräfte für Abwassertechnik reinigen Abwässer und warten Abwasserrohrsysteme. Sie planen, überwachen, steuern und dokumentieren die Betriebsabläufe einer Kläranlage.
Langweilig wird es in dem facettenreichen Beruf nicht. Elektrotechnische, mechanische und Arbeiten im Labor wechseln sich ab. Dort folgen auf Tätigkeiten unter freiem Himmel Analysen und Tests. Am Mikroskop wird zum Beispiel die Beschaffenheit des Belebtschlamms ermittelt. Hier leben die Mikroorganismen, die für die Abwasserreinigung sorgen. Ein anderes Feld sind die Inspektion und Wartung von Maschinen, Geräten, Rohrleitungssystemen und baulichen Anlagen. Darüber hinaus sind Fachkräfte für Abwassertechnik für die Instandhaltung der Kanalsysteme zuständig. Beim Abwasserverband sind das die Kanäle in Egelsbach und Erzhausen. Mit Kameras werden Schäden geortet oder mit speziellen Spülgeräten Rohre gereinigt.  
Wie die Wasserversorgung bietet auch die Wasserentsorgung vielseitige und krisenfeste Beschäftigung mit Zukunft – denn Wasser brauchen alle. Der vor 52 Jahren gegründete Abwasserverband trägt dazu bei, die Wasserqualität in Flüssen und anderen Gewässern zu erhalten oder zu verbessern und damit die Trinkwasserreserven zu schützen. Rund zwanzig Beschäftigte zählt der Verband gegenwärtig, die sich um die mechanische und biologische Reinigung in der Zentralkläranlage westlich des Langener Stadtteils Oberlinden und um die weiteren Einrichtungen kümmern.
In Langen, Egelsbach und Erzhausen leben rund 55.000 Menschen, Tendenz steigend. Der Verband ist Garant dafür, dass ihre Abwässer bestens gereinigt wieder in den Naturkreislauf gelangen. Statistisch gesehen wird ein Wassertropfen bei trockenem Wetter drei Tage in der Kläranlage „behandelt“, um ihn anschließend putzsauber in der Natur zu verabschieden. Auf die mechanische Reinigung mit Rechenanlage, Sand- und Fettfang sowie die Vorklärung folgt die „Biologie“ mit Belebungsbecken und Nachklärung. Anschließend führt der Hundsgraben das saubere Wasser zum hessischen Ried in Richtung Rhein. Aktuell betreibt der Verband in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Darmstadt und mit finanzieller Unterstützung durch das Land ein Forschungsprojekt, bei dem es darum geht, winzig kleine Mengen von Rückständen aus Arznei-, Haushalts- und Pflegemitteln aus dem Abwasser zu entfernen.
Der Schutz oberirdischer Gewässer und des Grundwassers zählt zu den bedeutendsten Aufgaben der Umweltpolitik. Wasser ist die wichtigste Ressource und Lebensgrundlage für alle Lebewesen auf der Erde. Auf diese Bedeutung weist der Weltwassertag hin. Große Unterschiede bei den Regenmengen führen dazu, dass weltweit viele Regionen regelmäßig unter Wasserknappheit leiden, während andere Gebiete Wasser im Überfluss haben. Knapp eine Milliarde Menschen, das entspricht einem Siebtel der Weltbevölkerung, haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Infolge des Klimawandels und des Bevölkerungswachstums verändert sich die Situation immer weiter zum Negativen. Neue Rezepte für eine nachhaltige Bewirtschaftung der Wasservorkommen sind daher dringend nötig.
Hauptziel des von den Vereinten Nationen ausgerufenen Weltwassertages ist es, auf die Bedeutung des Wassers als Lebensgrundlage für die Menschheit, den Schutz der Wasservorkommen und deren nachhaltige Nutzung aufmerksam zu machen. Darum geht es auch bei einer Führung, zu der der Abwasserverband im Zusammenhang mit dem Weltwassertag für Samstag, 16. April, von 11 bis 14 Uhr zur Zentralkläranlage an der Prinzessin-Margaret-Allee 1 in Langen einlädt. Beschäftigte des Verbandes werden dabei mit den spannenden Abläufen der Abwasserreinigung vertraut machen und auch über den Beruf „Fachkraft für Abwassertechnik“ informieren. Anmeldungen unter der Rufnummer 06103 9083 oder per E-Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.
Am 28. April beteiligt sich der Abwasserverband wieder am Girls‘ Day. Mädchen aus den Klassen vier bis sieben können dann bei einer Techniktour die Aufgaben des Verbandes und die Berufsmöglichkeiten kennenlernen und auch ins Labor reinschnuppern. Anmeldungen und nähere Informationen ebenfalls unter den obigen Kontaktdaten.

Regierungspräsidentin Lindscheid übergibt Förderbescheid für Forschungsvorhaben auf der Kläranlage Langen

2015 09 02 foerderbescheid forschungsvorhaben

Darmstadt (rp) – Einen Zuwendungsbescheid in Höhe von 877.500 Euro überreichte heute Regierungspräsidentin Brigitte Lindscheid dem Bürgermeister der Stadt Langen und Verbandsvorsteher des Abwasserverbandes Langen-Egelsbach-Erzhausen, Herrn Gebhardt.


Die Zuwendung wird dem Verband für die Fortführung eines Forschungsvorhabens bewilligt. In einem  1. Projekt wurde zusammen mit der TU Darmstadt und einem Darmstädter Ingenieurbüro im Labormaßstab erfolgreich erforscht, wie Spurenstoffe wirksam an Aktivkohle adsorbiert  werden können.


Der Eintrag von Arzneimittelrückständen, Pestiziden und anderen organischen Mikroverunreinigungen über kommunale Abwasseranlagen in Gewässer wird bereits seit geraumer Zeit in Fachkreisen intensiv diskutiert. Im Hessischen Ried ist aufgrund der nachgewiesenen Interaktion zwischen Oberflächengewässer und Grundwasser der Eintrag von Spurenstoffen besonders schwerwiegend, da das Hessische Ried auch als Trinkwasserreservoir für die Region genutzt wird.

 

Umso mehr ist Frau Lindscheid davon überzeugt, dass mit der Finanzierung der weiteren Forschung im großtechnischen Maßstab ein wichtiger Einstieg in die Diskussion weitergehender Reinigungsanforderungen für kommunale Kläranlagen erfolgt. Hessenweit soll in den nächsten eineinhalb Jahren in Langen erstmalig untersucht werden, inwiefern die Ergebnisse der Laboranlage auf reale Betriebsbedingungen übertragbar sind. Als Erforschung innovativer Reinigungsverfahren zur Elimination von Mikroschadstoffen wird die Maßnahme vom Land zu 78 % bezuschusst.

 

Frau Lindscheid gratulierte dem Verband zu seiner Weitsicht und seinem Engagement und hofft, dass die im Sinne eines Pilotprojekts gewonnenen Erkenntnisse aus Langen in Kürze auch auf andere Anlagen in der Region übertragbar sind.

Führungswechsel beim Abwasserverband

2015 07 02 fuehrungswechsel beim abwasserverband

Werner Hötzel geht nach erfolgreichen 32 Jahren in Ruhestand 

 

Wer einen großen Teil seines Berufslebens auf der Kläranlage verbracht hat, kann tausend Geschichten erzählen. Nicht nur über die Abwasserreinigung und was sie alles zu leisten imstande ist, sondern auch über kuriose Dinge wie das Gebiss oder den Ehering im Abwasser. Denn es ist unglaublich, was alles in der Toilette und später beim Abwasserverband Langen/Egelsbach/Erzhausen landet. Werner Hötzel hatte hier – an der majestätischen Adresse Prinzessin-Margaret-Allee 1 – 32 Jahre lang das Sagen. Mit 65 geht er jetzt in den Ruhestand. Dann übernimmt Eva-Maria Frei das Ruder. Sie ist 31 und unterscheidet sich mit ihrem Tatendrang nicht von ihrem Vorgänger. Mit einer Mannschaft von knapp 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gestaltet sie von nun an die Zukunft der örtlichen Abwasserreinigung.


Die Abwassertechnik ist schon jetzt auf einem sehr hohen Stand. Doch sie wird – angetrieben durch die Vorgaben des Gesetzgebers - immer weiter verfeinert. Das inspiriert und motiviert Menschen wie Hötzel und Frei. Ihr Handeln kommt der Natur, kommt den Pflanzen, Tieren und Menschen zugute. In der Kläranlage wird wie kaum anderswo Umweltschutz praktiziert. Wasser ist das Lebensmittel Nummer eins, von seiner Güte hängt maßgeblich das Leben auf der Erde ab.

 

Werner Hötzel war immer ganz vorne mit dabei, wenn es darum ging, neue Möglichkeiten der Abwasserreinigung zu nutzen. Nicht zuletzt durch die von ihm initiierten Forschungsprojekte hat sich der Abwasserverband einen guten Namen gemacht. Seit fünf Jahren läuft in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Darmstadt und mit finanzieller Unterstützung durch das Land Hessen ein Vorhaben zur Entfernung von winzig kleinen Spurenstoffen aus Arzneimittelrückständen, das gerade um einen zweiten Abschnitt erweitert wird. Dabei geht es um die Elimination von antibiotischen Keimen und von Mikroplastik, das über Kosmetika und Zahnpasta ins Abwasser und über den Verzehr von Fischen in die Nahrungskette gelangt. „Das kann gesundheitlich bedenklich sein“, sagt Hötzel und man merkt ihm an, dass er die weitere Entwicklung der Abwasserreinigung auch im Ruhestand nicht aus den Augen verlieren wird.


Ein Forschungsvorhaben – damals zur Klärschlammverwertung – war es auch, das ihn 1983 zum Abwasserverband lockte. Sein Vorgänger Werner Sowa konnte das Projekt aus gesundheitlichen Gründen nicht zu Ende führen, die Stelle des Geschäftsführers musste neu besetzt werden. Hötzel bewarb sich und wurde genommen. Gute Voraussetzungen brachte er mit, war er doch zuvor Verbandsingenieur beim Abwasserverband Rur in Düren im Rheinland.

 

In Langen kam Hötzel zu einem Verband, der 1964 von der Stadt gemeinsam mit der Gemeinde Egelsbach gegründet wurde, um die Abwasserreinigung auf ein wirtschaftlich tragfähiges Fundament zu stellen. Die interkommunale Zusammenarbeit zur Kosteneinsparung wurde unter Hötzels Regie 1990 durch den Beitritt Erzhauses weiter ausgebaut. In jener Zeit liefen die Vorbereitungen für ein Mammutprojekt, bei dem es darum ging, Phosphor- und Stickstoffverbindungen, die in den Meeren das Algenwachstum befördern, aus dem Abwasser zu entfernen. Hötzel erinnert sich noch gut an die Hiobsbotschaften vom Robbensterben in der Nordsee und den damaligen Umweltminister Klaus Töpfer, der die Kläranlagenbetreiber zum Umrüsten verpflichtete. Für den Langener Geschäftsführer war dies Anlass genug, um die Verbandskläranlage komplett neu zu konzipieren. Nach intensiver Vorplanung wurde sie Mitte der neunziger Jahre zu 95 Prozent abgerissen und mit der damals fortschrittlichsten Technik wieder aufgebaut. Noch heute ist sie ein Vorzeigeobjekt, das Besuchergruppen aus Kindergärten in Erstaunen versetzt und Fachleuten aus dem In- und Ausland zur Anschauung dient. Die üblichen Vorurteile über Kläranlagen als Orte, die man lieber meidet, hat Hötzel mit seiner gepflegten, technisch hochinteressanten und sowohl landschaftlich als auch architektonisch gelungenen Anlage ins Gegenteil verkehrt.


56 Millionen Mark hat der Umbau damals gekostet, vier Millionen weniger als budgetiert – auch das ein großer Erfolg. Die Kapazität ist vorausschauend ausgelegt auf 75.000 Einwohner. Die Verbandsgemeinden können also noch wachsen, wie sie es in der Realität auch tun. Zurzeit werden die Abwässer von rund 55.000 Menschen gereinigt.

 

Beim Blick zurück kommt Hötzel auch auf die Übernahme der Kanäle von Egelsbach und Erzhausen zu sprechen. Der Unterhalt der Netze und ihr Ausbau seien beiden Gemeinden über den Kopf gewachsen. „Mit unserem Know-how werden wir gut mit dieser Aufgabe fertig, etwa wenn es darum geht, Neubaugebiete zu erschließen oder beispielsweise die erweiterte Startbahn des Flugplatzes Egelsbach zu unterqueren. Es gibt derzeit keinen größeren Erneuerungs- oder Reparaturbedarf“, bilanziert der scheidende Geschäftsführer, der die Ausgaben des Verbandes auf rund 7,2 Millionen Euro im Jahr beziffert. Finanziert werden sie über Gebühren. Gewinne dürfen nicht gemacht werden.

 

Fraglos gelungen ist es Hötzel, die stets höchsten Ansprüchen genügende Abwasserreinigung des Verbandes so wirtschaftlich wie möglich zu betreiben. Deswegen wurde zum Beispiel die mechanische Reinigung in den Verbandsanlagen in Erzhausen und Egelsbach eingestellt und in Langen zentralisiert. Wenn Kosten gespart werden, freut das natürlich auch die Kommunalpolitik. Deren Vertreter in den Verbandsorganen kann Hötzel nur loben. Bei Diskussionen und Entscheidungen stünden quer über alle Parteigrenzen hinweg einzig und allein Sachargumente im Vordergrund. Hötzel hatte während seiner Zeit zehn Bürgermeister an seiner Seite, die im Verbandsvorstand die Verantwortung trugen beziehungsweise aktuell tragen. Der Langener Bürgermeister Frieder Gebhardt ist Verbandsvorsteher und somit Hötzels Vorgesetzter. Er betont: „Werner Hötzel hat sich bei der Geschäftsführung des Verbandes viele Verdienste erworben und mit großem Engagement eine vorbildliche Abwasserreinigung aufgebaut.“

 

Die mannigfaltigen Aufgaben, immer neue Herausforderungen, die Gestaltungsmöglichkeiten und die Weitsicht auf künftige Entwicklungen haben für Hötzel den Reiz seiner Tätigkeit ausgemacht. Abwasser ist für ihn „das umfangreichste Vielfaltgemisch unserer Gesellschaft, weil sich darin praktisch alle Stoffe finden“, beschreibt er die Brühe, vor der andere nur zu gerne Abstand halten.

 

Die neue Geschäftsführerin Eva-Maria Frei stammt aus der Nähe von Nürnberg und kam zum Studium der Umwelttechnik ins Rhein-Main-Gebiet. Sie hat ihre Diplomarbeit über die biologische Abwasserreinigung geschrieben, sich in einem Ingenieurbüro mit der Abgasreinigung beschäftigt und parallel dazu ihre Masterarbeit über die europäische Wasserrahmenrichtlinie verfasst. 2012 wechselte sie als technische Angestellte zum Verband und kümmerte sich schwerpunktmäßig um die Kanalnetze in Egelsbach und Erzhhausen und um die biologische Reinigungsstufe. Ihre neue Aufgabe nennt sie einen Traumjob. Die Abwasserreinigung, in der unter anderem Bakterienstämme ans Werk gehen, ist für sie eine „faszinierende Regelungstechnik der Natur“. Und langweilig wird es bestimmt nicht. Gerade wird der Faulbehälter gedämmt, um Energie zu sparen. Neue Richtlinien, um die Abwassergüte zu verbessern, werden sie darüber hinaus beschäftigen. Vielleicht geht Eva-Maria Frei ja auch eines Tages auf Goldsuche. US-Wissenschaftler jedenfalls denken darüber nach, Abwasser mit menschlichen Exkrementen systematisch auf Edelmetalle zu filtern. Sie schätzen, dass die Metalle in den Hinterlassenschaften von einer Million Amerikanern bis zu 13 Millionen Dollar wert sein könnten.

 

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