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Seit 50 Jahren im Dienste der Natur

2014 04 03 seit 50 jahren im dienste der natur

Moderne Abwasserreinigung für Langen, Egelsbach und Erzhausen

Es war kein Aprilscherz, sondern eine Entscheidung, die von Weitsicht und verantwortungsbewusstem Handeln zeugt: Am 1. April 1964 haben die Stadt Langen und die Gemeinde Egelsbach einen Abwasserverband gegründet. Sie wollten damit Knowhow bündeln und die Ausgaben für die aufwendige Abwasserreinigung im Zaum halten. Diese Gründe bewog 1990 auch die Gemeinde Erzhausen dazu, dem Verband beizutreten. Für die drei Kommunen ist das Jubiläum Anlass, eine positive Bilanz zu ziehen. Der Zusammenschluss hat sich nach den Worten von Verbandsvorsteher Frieder Gebhardt gerade unter dem Aspekt der Wirtschaftlichkeit bewährt. Der Langener Bürgermeister bezeichnet die vom Verband praktizierte interkommunale Zusammenarbeit genauso wie seine Amtskollegen Jürgen Sieling (Egelsbach) und Rainer Seibold (Erzhausen) als vorbildlich. Sie bewirke eine erhebliche Kosteneinsparung, die den Gebührenzahlern zugute komme.
Nach den Worten von Werner Hötzel, der den Verband seit 1983 leitet, war der Umweltschutz vor 50 Jahren weit weniger in aller Munde als heute. Gleichwohl habe Langen schon in den 1950er Jahren bei der Abwasserreinigung weit vorne gestanden. Die 1957 eröffnete Kläranlage sei für die damalige Zeit hochmodern gewesen. Sie arbeitete mit einem zweistufigen Schlammbelebungsverfahren, das erstmals im süddeutschen Raum angewandt wurde. Damit war der Grundstein gelegt für eine vollbiologische Abwasserreinigung, die dazu beiträgt, die Wasserqualität in Flüssen und anderen Gewässern zu erhalten oder zu verbessern und die Trinkwasserreserven zu schützen.
Eben diese Aufgabe erledigt der Verband mit großem Engagement und der nötigen Fachkompetenz seiner 19 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, wie Gebhardt, Sieling und Seibold hervorheben. Abwasserreinigung sei Umweltschutz im besten Sinne des Wortes. Der Verband sei in diesem Sinne ein Dienstleister der Natur. Seit seiner Gründung werde die Abwasserreinigung nach dem gängigen Stand der Technik praktiziert. „Und manchmal sind wir auch schon einen Schritt weiter“, sagen die drei Bürgermeister. Aktuell gelte das für ein Forschungsprojekt, um kleinste Mengen von Rückständen aus Arznei-, Haushalts- und Pflegemitteln aus dem Abwasser zu entfernen.
Im Einzugsgebiet des Abwasserverbandes leben rund 55.000 Menschen. Die Bevölkerung wächst. Der Verband ist Garant dafür, dass ihr Abwasser bestens gereinigt wieder in den Naturkreislauf gelangt. Statistisch gesehen wird ein Wassertropfen bei trockenem Wetter drei Tage in der Zentralkläranlage „behandelt“, um ihn anschließend putzsauber in die Natur zu verabschieden. Auf die mechanische Reinigung mit Rechenanlage, Sand- und Fettfang sowie die Vorklärung folgt die „Biologie“ mit Belebungsbecken und Nachklärung. Anschließend führt der Hundsgraben das saubere Wasser zum hessischen Ried in Richtung Rhein. Wenn es nicht regnet, reinigt die Anlage rund 10.000 Kubikmeter Wasser am Tag. Eine enorme Menge. 6,2 Millionen Euro kostet der Betrieb im Jahr. Die Ausgaben werden über Gebühren finanziert.
Die Kläranlage im Wald westlich des Langener Stadtteils Oberlinden mit der wohlklingenden Adresse „Prinzessin-Margaret-Allee 1“ leistet nicht nur beste Arbeit, sie sieht auch richtig gut aus. Viel Grün und eine ansprechende Architektur sorgen für einen guten Eindruck. Die Schlammbehandlung mit dem großen Faulturm, der Klärgasspeicher und die Becken zur Abwassereinigung sind harmonisch in eine Wiesenlandschaft eingebettet. Unterhalb der Oberfläche erstreckt sich in den Rohrkellern ein kilometerlanges Netz für die Kommunikation, die Energieversorgung und den Transport von Wasser und Schlamm. Alle Anlagenteile werden rund um die Uhr überwacht. „Unsere Kläranlage arbeitet sicher, sparsam und effizient“, betont Werner Hötzel. Beispielsweise bereite eine Hightech-Microfiltrationsanlage gereinigtes Abwasser zu hygienisch einwandfreiem Brauchwasser auf. Es werde zum Spülen und zum Reinigen sowie im Sommer zur Bewässerung verwendet.
Verbandsanlagen südlich von Schloss Wolfsgarten auf der Gemarkung Egelsbach und am westlichen Ortsrand von Erzhausen sammeln das Abwasser aus den jeweiligen Einzugsgebieten und pumpen es über Druckleitungen zur Zentralkläranlage. Das weitverzweigte Kanalnetz der drei Mitgliedskommunen ist seit seinen Anfängen in den 1950er Jahren auf eine Gesamtlänge von knapp 200 Kilometern gewachsen. In Egelsbach und Erzhausen ist der Abwasserverband Eigentümer der Kanäle und damit zuständig für die Wartung, Sanierung und Erweiterung. In Langen gehören sie der Stadt beziehungsweise den Kommunalen Betrieben.
In den Jahren 1995 bis 1997 hat der Abwasserverband mit Millionenaufwand seine Zentralkläranlage modernisiert und erweitert. Das war nötig, um die damals noch vorhandenen Phosphor- und vor allem Stickstoffverbindungen, die in den Meeren das Algenwachstum befördern, aus dem Abwasser zu entfernen. Heute ist der Verband buchstäblich einem anderen Phänomen auf der Spur. Es geht um die Entfernung von Rückständen aus Arznei-, Pflege- und Reinigungsmitteln. Bei diesen Spurenstoffen handelt es sich um winzig kleine Mengen im Nanobereich, die in den Kläranlagen bisher nicht komplett eliminiert werden. Sie stehen im Verdacht, bei Fischen und Fröschen biologische Veränderungen hervorzurufen. Wissenschaftlicher schließen deshalb auch Risiken für den Menschen nicht aus.
Besonders der Medikamenten-Cocktail hat es in sich. Durch die höhere Lebenserwartung erreichen die Kläranlage immer mehr Arzneimittelrückstände. Schließlich scheidet der Körper bis zu 60 Prozent der Wirkstoffe wieder aus. Außerdem ist es leider weit verbreitet, nicht eingenommene Zäpfchen, Tabletten oder Salben unsachgemäß über die Toilette zu entsorgen und damit das Abwasser zu belasten.  
Der Abwasserverband hat in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Darmstadt und mit finanzieller Unterstützung durch das Land Hessen ein Forschungsvorhaben zur Entfernung der Spurenstoffe umgesetzt und nimmt dadurch eine Vorreiterrolle ein. Hötzel geht davon aus, dass innerhalb der Europäischen Union entsprechende Auflagen kommen werden. „Dafür wollen wir gewappnet sein.“
Die Versuchsanlage erzielte beeindruckende Ergebnisse. Sie entzog dem Abwasser durch die sogenannte Membranfiltration in Kombination mit Aktivkohleverfahren bis zu 90 Prozent der Spurenstoffe. Von der Aktivkohle werden sie wie von einem Schwamm aufgesaugt. Nach den bisherigen Erfolgen will der Verband die Untersuchungen einschließlich der Kostenermittlung in einem größeren Maßstab fortführen. Die Ergebnisse können eine solide Entscheidungsgrundlage für die künftige Abwasserreinigung nicht nur in Langen, sondern auch für andere Kläranlagenbetreiber sein.    
Anlässlich seines 50-jährigen Bestehens hat der Abwasserverband eine anschauliche Broschüre herausgegeben, die mit einigen historischen Bildern, einer kurzen Beschreibung der Gegenwart und einem Ausblick in die Zukunft ein spannendes und lehrreiches Thema abhandelt. Sie ist kostenlos in den Rathäusern von Langen, Egelsbach und Erzhausen erhältlich. Gerne lädt der Verband – nach vorheriger Vereinbarung – zu einer Besichtigung der Kläranlage ein. Die Kontaktdaten lauten: Telefon: 06103 9083, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

Zeitungsartikel „50 Jahre Abwasserverband Langen/Egelsbach/Erzhausen“

Offenbach-Post

Frankfurter Rundschau

Frankfurter Neue Presse

 

Schülerinnen beim Girls‘ Day auf der Kläranlage

2014 03 27 schuelerinnen beim girls day auf der klaeranalgeGanz schön spannend war der Blick durchs Mikroskop auf der Kläranlage des Abwasserverban-des Langen/Egelsbach/Erzhausen. Sieben Schülerinnen nutzten beim Girls‘ Day die Gelegenheit, sich von den Aufgaben des Verbandes ein Bild zu machen und vor allem Einblicke in den Beruf der Fachkraft für Abwassertechnik zu erhalten. Besonders groß war die Aufmerksamkeit im Labor, wo die technische Angestellte Eva-Maria Frei (rechts) die neugierigen Gäste mit In-formationen versorgte und mit dem Arbeitsalltag vertraut machte. Mit der Beteiligung am Girls’ Day möchte der Abwasserverband das Interesse an einem vielseitigen Berufsbild wecken, das gerade auch unter den Aspekten des Umweltschutzes gute Zukunftsperspektiven bietet.

Schwertransport zur Kanalbaustelle

In der Heinrichstraße kommen 56 Tonnen unter die Erde - Foto: Hauptmann / Abwasserverband- In der Heinrichstraße kommen 56 Tonnen unter die Erde -

Das kann richtig eng werden in Erzhausen: Am Mittwoch (7. November) bahnen sich in den Morgenstunden ein Kranwagen und ein Schwertransporter über die Bahnstraße den Weg zur Kanalbaustelle auf der Heinrichstraße. Der Sattelschlepper transportiert einen Stahlbetonschacht, dessen Ober- und Unterteil zusammen 56 Tonnen auf die Waage bringen. Ein enormes Gewicht, wenn man bedenkt, dass ein Mittelklassewagen „nur“ 1,5 Tonnen wiegt. Die in einem Werk in Hanau vorgefertigten Teile dienen als unterirdische Kreuzung: Sie verbinden die Kanäle, die unterhalb des Sportheims an der Ecke Heinrichstraße/Nördliche Ringstraße/Am Hainpfad aufeinandertreffen.

Der Abwasserverband Langen/Egelsbach/Erzhausen verbessert im dortigen Umfeld mit einem größeren Mischwasserkanal und einem neuen Regenüberlauf die Entwässerung. Letzterer sorgt dafür, dass das Wasser, das die Kanalisation bei starken Regenfällen nicht mehr aufnehmen kann, in den Hegbach eingeleitet wird.

Der bisherige Regenüberlauf am Ende der Heinrichstraße hat nach den Worten von Verbandsgeschäftsführer Werner Hötzel nicht mehr dem Stand der Technik entsprochen. „Er war weder ausreichend dimensioniert noch mit einem Siebrechen ausgestattet, der Toilettenpapier und andere über das Abwasser entsorgte Hygieneartikel zurückhält. Deshalb haben wir auf einer Feldfläche westlich der Skateranlage einen neuen Regenüberlauf errichtet, der diese unerwünschten Einträge in den Hegbach verhindert“, erklärte Hötzel. Am alten Standort sei dies aus Platzgründen nicht möglich gewesen.

Der Verbandsgeschäftsführer spricht von einem Projekt im Sinne des Umweltschutzes. Dazu zähle auch, dass der alte Entlastungskanal von der Heinrichstraße zum Hegbach nun stillgelegt und mit Flüssigbeton verfüllt werde. Regenwasser von der Straße vor den Sportanlagen versickere künftig über Mulden im Erdreich und werde nicht mehr durch den Kanal in den Bach geleitet. Als Ersatz hat der Abwasserverband bereits einen Entlastungskanal vom neuen Regenüberlauf in direkter Verbindung zum Hegbach verlegt. Außerdem führt ein neuer Mischwasserkanal mit größerem Durchmesser von der Heinrichstraße am Kindergarten vorbei zum Überlaufbauwerk.

Der eckige Fertigbauschacht, der am Mittwoch gegen 8.30 Uhr eintreffen dürfte und jeweils fünf Meter lang und breit ist, verkürzt nach Hötzels Worten die Bauarbeiten. „Den Schacht vor Ort zu fertigen, würde viel Zeit in Anspruch nehmen.“ Wegen der beengten Verhältnisse seien bei der Anlieferung und der Installation der schweren Teile aber jede Menge Fingerspitzengefühl erforderlich.

„Insgesamt liegen wir mit den Arbeiten im Zeitplan und werden sie voraussichtlich bis Ende März 2013 abschließen können“, sagte Hötzel. Die Kosten bezifferte er auf 1,5 Millionen Euro.

Abwasserverband investiert in Umweltschutz

Neuer Regenüberlauf und Kanalbauarbeiten in Erzhausen - Foto: Hauptmann / Abwasserverband- Neuer Regenüberlauf und Kanalbauarbeiten in Erzhausen -

Wenn es stark regnet, müssen Kanäle, nachgelagerte Pumpstationen und die Kläranlage entlastet werden. Deshalb gibt es wie an der Heinrichstraße in Erzhausen sogenannte Regenüberläufe. Mit Hilfe solcher Anlagen wird Wasser, das die Kanalisation nicht aufnehmen kann, in das nächstliegende Gewässer – in diesem Fall den Hegbach – eingeleitet. Weil der Regenüberlauf am Ende der Heinrichstraße aber nicht mehr dem Stand der Technik entspricht, errichtet der Abwasserverband Langen/Egelsbach/Erzhausen auf einer Feldfläche westlich der Skateranlage eine neue Anlage. Damit verbunden sind auch Kanalbauarbeiten.
Nach Angaben von Verbandsgeschäftsführer Werner Hötzel ist das Vorhaben ein wichtiger Beitrag zum Umweltschutz. Der bisherige Regenüberlauf sei weder ausreichend dimensioniert noch mit einem Siebrechen ausgestattet, der Toilettenpapier und andere über das Abwasser entsorgte Hygieneartikel zurückhalte. Deren Eintrag in den Hegbach werde durch die neue Anlage vermieden.
Die bestehende Einrichtung vor der Sporthalle ist wegen der beengten Verhältnisse und ihrer Lage dicht unter der Oberfläche nicht für eine Erweiterung geeignet. Deshalb hat sich der Verband gemeinsam mit der Gemeinde für den neuen Standort entschieden. Davon profitiert die Umwelt noch aus einem anderen Grund. Denn der alte Entlastungskanal von der Heinrichstraße zum Hegbach, der unter der Straße zur Tennisanlage verläuft, wird stillgelegt. Regenwasser von der Straße kann dann in Zukunft über Mulden im Erdreich versickern und fließt nicht mehr durch den Kanal in den Hegbach.
Außerdem verlegt der Abwasserverband vom bisherigen Regenüberlauf einen neuen Mischwasserkanal mit größerem Durchmesser. Die etwa 250 Meter lange Strecke verläuft am Kindergarten vorbei entlang der Bebauungsgrenze zum künftigen Überlaufbauwerk. Während das Schmutzwasser dann in das Kanalsystem im Baugebiet Hainpfad gelangt, stellt im Falle eines Starkregens ein neuer Entlastungskanal die direkte Verbindung zum Hegbach her. Die Arbeiten dafür haben vor etwa einem Monat in Höhe des Bachs begonnen.
Verbandsgeschäftsführer Hötzel rechnet mit Kosten von insgesamt 1,5 Millionen Euro. Geplant sei, das Projekt in diesem Jahr abzuschließen. Wie Bürgermeister Dieter Karl mitteilte, werde die Gemeinde die Gelegenheit nutzen, um im Bereich des Kindergartens eine Spielstraße anzulegen.

Girls’ Day auf der Kläranlage

Girls’ Day auf der Kläranlage - Foto: Sorger/AbwasserverbandWas passiert auf einer Kläranlage und welche Aufgaben hat eine Fachkraft für Abwassertechnik? Beim Girls’ Day konnten sich fünf Schülerinnen der Adolf-Reichwein-Schule beim Abwasserverband Langen/Egelsbach/Erzhausen viele Notizen machen und über einen Beruf informieren, der hauptsächlich von Männern ausgeübt wird. Umso spannender waren die Schilderungen von Verbands-Mitarbeiter Andreas Haufschild und der Rundgang über die weitläufige Kläranlage. Die Zehn- bis Zwölfjährigen sahen, wie der Reinigungsprozess vonstatten geht, welche Aufgaben die Bakterien übernehmen und dass das Wasser die Anlage sauber und klar verlässt. Das alles muss von Fachkräften überwacht und gesteuert werden, wofür eine gute Ausbildung und praktische Erfahrungen unerlässlich sind. Besonders spannend wurde es, als die jungen Besucherinnen eigenhändig mit dem passenden Schlüssel ein Rührwerk in Gang setzen durften. Mit der Beteiligung am Girls’ Day möchte der Abwasserverband das Interesse an einem vielseitigen Berufsbild wecken, das gerade auch unter den Aspekten des Umweltschutzes gute Zukunftsperspektiven bietet.

Dem Medikamenten-Cocktail den Kampf angesagt

v.l.n.r. Werner Hötzel (Geschäftsführer), Frieder Gebhardt (Verbandsvorsteher), Ministerialrat Dr. Eberhardt Port (Ministerium für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz), Professor Peter Cornel (TU Darmstadt) - Foto: Sorger/Abwasserverband- Forschungsprojekt des Abwasserverbandes zeigt erste Erfolge -


Die Langzeitwirkungen sind zwar noch nicht exakt erforscht, doch geben einige Erkenntnisse Anlass zur Besorgnis: Rückstände von Arzneimitteln, die in den Kläranlagen bisher nicht komplett entfernt werden und dadurch in Gewässer gelangen können, stehen im Verdacht, bei Fischen oder Fröschen biologische Veränderungen hervorzurufen. Wissenschaftler schließen auch Risiken für den Menschen nicht aus. Vielleicht, so eine Vermutung, gibt es einen Zusammenhang zu typischen Zivilisationskrankheiten. Umso größer ist die Bedeutung eines Forschungsvorhabens, das derzeit auf der Kläranlage des Abwasserverbandes Langen/Egelsbach/Erzhausen betrieben wird.

In Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Darmstadt und mit finanzieller Unterstützung durch das Land versucht der Verband, die sogenannten Spurenstoffe weitgehend aus dem Abwasser zu entfernen. Dabei handelt es sich um winzig kleine Mengen von Rückständen von Arznei-, aber auch von Haushalts- und Pflegemitteln. In Deutschland sind knapp 3.000 verschieden Arzneimittelwirkstoffe in annähernd 10.000 Präparaten zugelassen. Über die Verkaufstische der Apotheken gehen jährlich mehr als 30.000 Tonnen. Die Tendenz ist steigend, weil die Menschen immer älter werden. Bis zu 60 Prozent der Wirkstoffe aus den Arzneien scheidet der Körper wieder aus. Zudem werden nicht verwendete Tabletten, Zäpfchen oder Salben häufig unsachgemäß über die Toilette anstatt über die Sondermüllsammelstellen entsorgt.

Über die Kanalisation erreicht der Chemie-Cocktail die Kläranlagen, wo er nicht komplett entfernt und zu einer Gefahr für die Umwelt wird. Zwar handelt es sich nur um winzig kleine Mengen, aber auch sie können große Auswirkungen auf das Ökosystem haben. Sichtbar wurden sie erst durch moderne Messverfahren im Nanobereich. 50 Nanogramm etwa entsprechen einer Menge von 50 Gramm in einer Talsperre wie dem Edersee.

„Um solche Dimensionen geht es bei unserem Vorhaben“, sagt Werner Hötzel, der Geschäftsführer des Abwasserverbandes. Sein Ziel ist ein Reinigungsgrad, der eine dem Trinkwasser vergleichbare Qualität liefert. Auch wenn es dafür noch keinen gesetzlichen Zwang gebe, seien EU-weite Auflagen absehbar. „Wir wollen unsere Anlagen frühzeitig auf künftige Reinigungserfordernisse ausrichten und uns für die Zukunft wappnen“, betont Hötzel.

Daran hat auch das Land Hessen Interesse, wie Ministerialrat Dr. Eberhardt Port vom Ministerium für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz bei einem Informationsbesuch betont. Das Land sehe die Notwendigkeit, die von den Spurenstoffen ausgehenden Gefahren zu minimieren und übernehme deshalb die Hälfte der Forschungskosten von insgesamt 270.000 Euro.

Die Versuchsanlage läuft jetzt seit rund vier Monaten. Die ersten Ergebnisse lassen aufhorchen. Professor Peter Cornel von der TU Darmstadt und wissenschaftlicher Leiter des Projekts berichtet, dass Spurenstoffe in einer Größenordnung zwischen 60 und 90 Prozent aus dem Abwasser eliminiert werden konnten. Dies sei exemplarisch für ein Schmerzmittel, ein Antiepileptikum und für ein Kontrastmittel nachgewiesen worden.

Auf der Kläranlage im Wald bei Schloss Wolfsgarten probieren die Wissenschaftler unterschiedliche Verfahren aus. Am Ende – veranschlagt sind insgesamt 24 Monate – soll die wirtschaftlichste und für die Praxis tauglichste Methode feststehen. Im Kern geht es darum, dass die Spurenstoffe an Aktivkohle anlagert werden und sich dadurch entfernen lassen. Unterschiede ergeben sich unter anderem dadurch, ob die Kohle anschließend regeneriert werden kann oder als Klärschlamm teuer verbrannt werden muss.

Ähnliche Verfahren werden von den Wasserwerken genutzt. Beim Trinkwasser, das aus den Leitungen fließt, besteht die Problematik der Spurenstoffe deshalb nicht. Es kann ohne Bedenken getrunken werden. Die Kläranlagen betreten mit der Entfernung von Mikroverunreinigungen hingegen Neuland.

Foto: Sorger/Abwasserverband

 

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